Michael Lysander FREMUTH, Universität Wien: Das islamische Kopftuchgesetz verletzt drei Grundrechtspositionen

Michael Lysander FREMUTH, Universität Wien: Das islamische Kopftuchgesetz verletzt drei Grundrechtspositionen

Seit Beginn des Schuljahres 2026/27 gilt in Österreich ein Gesetz, dass das Tragen eines islamischen Kopftuchs für Mädchen unter 14 Jahren untersagt. Die Bundesregierung begründet die Maßnahme mit dem Schutz von Kindern vor religiösem Zwang. Kritiker:innen sehen darin hingegen einen Eingriff in Grund- und Freiheitsrechte.

Über diese Fragen diskutierten am 7. Oktober sechs Expert:innen und Betroffene bei einer Veranstaltung des Ludwig Boltzmann Instituts für Menschenrechte in der Wiener Diplomatischen Akademie. Mehr als 200 Menschen verfolgten die Debatte mit dem Titel: „Kopftuchverbot an Schulen – Schutz oder Einschränkung der Selbstbestimmung?“ Moderiert wurde die Diskussion von der Juristin und Journalistin Amira Awad.

Ein Bericht von simon INOU

Podiumsteilnehmer:innen: 

  • Yara ALNAHHAS, Schülerin, 8. Klasse, Realgymnasium
  • Michael Lysander FREMUTH, Direktor, Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte; Professor für Grund- und Menschenrechte, Universität Wien
  • Dunia KHALIL, Expertin für Antirassismus, Vielfalt und diskriminierungskritische Arbeit, Dokustelle Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus
  • Martin KIENL, Leiter Sektion II: Integration, Kultur und Volksgruppen, Bundeskanzleramt
  • Marawan MANSOUR, Rechtsanwalt
  • Karin MEDITS-STEINER, Vorsitzende, Personalvertretung der Wiener Pflichtschullehrer:innen

Vom Kolonialreich zur Republik: Farid Hafez zeigt wie Österreich und Deutschland Muslim:innen regieren

Professor Farid Hafez ist Politikwissenschaftler, Lehrender an der renommierten Universität College of William & Mary in Virginia sowie Senior Researcher an der Georgetown University. Am William & Mary College hält er Vorlesungen über rechtsextremen Populismus, Islamophobie, internationale Beziehungen und Terrorismus.

Derzeit befindet er sich auf Europatournee, um sein neues Buch „Governing Islam in Austria and Germany: From Colonial Times to the Present“ vorzustellen, das im April 2026 bei Oxford University Press erschienen ist. Am vergangenen Montag, dem 8. Juni 2026, war er zu Gast bei Katharina Ivanyi, Professorin am Institut für Orientalistik der Universität Wien. In diesem Interview resümiert Farid Hafez die Ergebnisse seiner Forschung, die sich über einen Zeitraum von 150 Jahren erstreckt, und ermutigt junge Menschen, sich von rassistischen Strukturen nicht entmutigen zu lassen. Er selbst, so erzählt er, wurde von seiner damaligen Schullehrerin nie an einem Gymnasium gesehen. Das Buch ist noch nicht auf Deutsch erschienen. Ein Interview von simon INOU.